Da brauchste Nerven wie Drahtseile

Die letzte Woche war vollgepackt mit so vielen unterschiedlichen Arbeiten, Tüdel und organisatorischem Kram, dass ich am Freitagabend nicht das Gefühl hatte irgendetwas wirklich geschafft zu haben. In solchen Momenten fällt es mir schwer freundlich zu sein. Die teilweise völlige Abwesenheit von Kundenorientierung in hiesigen Baumärkten wirkt da eher wie ein Katalysator für meine zunehmende Ungeduld.

Momentan bauen wir einen Fußboden für dieses Haus. Dafür brauchen wir Kies. Der nächste Baumarkt ist ca. 20 km entfernt und es dauert ca. 45 Minuten hinzufahren, zu kaufen und wieder zurückzufahren. Es sollte also möglich sein, vormittags drei Fuhren zu schaffen (der Laden macht 12h00 zu und zwischendrin müssen wir den Kies per Schaufel abladen und ins Haus tragen.)

Aber, ich mußte mich jedesmal in eine Schlange anstellen, um meine Bestellung zu bezahlen und einen Lieferschein zu bekommen. Als Optimierer dachte ich, ich mache einmal eine Bestellung und hole den Kies dann nur noch ab, aber das war nicht möglich. Der zuständige Lagerarbeiter war allein auf dem Hof, mit einer Menge Kunden, die alle auf ihre Ware warteten. Es hat fast eine halbe Stunde gedauert, bis wir endlich unseren Kies bekamen. Bei der zweiten Fuhre, mußte derselbige Arbeiter erst die Einfahrt des Geschäfts fertig betonieren und beim dritten Mal, hat er erst einmal (eine wohlverdiente) Pause am Kaffeeautomaten gemacht.
Ich meine, alle sind freundlich und nett und betrachten solche Ausflüge zum Baumarkt wahrscheinlich als willkommene Abwechslung, aber ich, ich hatte es eilig!!
Ich hab gefühlte zwei Stunden mit Warten verbracht, da hätte ich noch so viel schaffen können …

Geduld ist keine meiner Stärken 😉

Für dieses Haus brauchen wir auch einen neuen Wasseranschluß. Dafür muß man eine Installationsbox kaufen und die gibt es nur in ausgewählten Fachgeschäften.
Vor drei Wochen haben wir so einen Kasten bestellt und uns auf den vereinbarten Liefertermin verlassen. Die Tage vergingen ohne dass wir über die Verfügbarkeit unserer Bestellung informiert wurden. Nach mehrmaliger Nachfrage hat sich herausgestellt, dass die Verkäuferin die Bestellung nicht ins Bestellsystem eingegeben hatte. Der Hersteller des Kastens liefert einmal pro Woche, also mußten wir noch eine Woche warten. Wegen der winterlichen Wetterkapriolen hat sich der voraussichtliche Liefertermin nun aber zusätzlich noch etwas nach hinten verschoben. Na ja, kann ja mal passieren.
Als ich dann am vereinbarten Liefertermin nun endlich diesen Kasten abholen wollte, hatte der Hersteller nicht geliefert!! Der durchaus bemühte Verkäufer hat mir daraufhin angeboten, am nächsten Tag doch noch einmal zu kommen, dann sei sein Chef da und dieser würde mir dann bestimmt den Kasten aus der Ausstellung verkaufen. Ich meine, dieser sch…Kasten ist nicht gerade billig, ich bin dreimal umsonst zu diesem Laden gefahren und nun war das Ding immer noch nicht zu haben und ich sollte geduldig fragen, ob der Chef mir sein Ausstellungsstück verkauft??
In den paar Sekunden, nachdem mir der Verkäufer dieses unglaubliche Angebot gemacht hatte, war ich kaum in der Lage, alle meine Ich- Zustände zusammenzunehmen. Ich war kurz vor Schnappatmung! Das muß er gemerkt haben, denn schließlich hat er mir wortlos den Kasten aus der Ausstellung geholt und ich durfte ihn endlich kaufen!
Was für ein Kundenservice!

The Wall

The wall

Few weeks ago, we started restoring another old house here in Fitou. Long time ago, it has been a larger house which was separated into two houses as a result of an inheritance debate.
The separation wall was partly made with flat natural stones in gypsum and small terra-cotta bricks but only about 5-7 cm thick.
One don’t need much imagination, that this wall is not a very stable solution, not to mention the lack of insulation. There were also a lot of holes so we could see through to the neighbour’s house. On top of this, we need to change some of the beams, which are going through to the other half. Without a stable support it wouldn’t be possible. Continue reading “The wall”

Verwandlung eines Zimmers

Kannst du es irgendwie südfranzösischer machen?

Ich male nicht nur Leinwände an, sondern auch richtige Wände, genauer gesagt, ich verputze sie. So auf die traditionelle Art, mit Kalk, Sand, Gips und Marmormehl, je nach Untergrund und Verwendungszweck. Das ist für alte Häuser hier in Südfrankreich die beste und auch nachhaltigste Methode. Die alten Häuser sind überwiegend aus Natursteinen und Kalk oder Gips und Sand gebaut. Die Wände sind oft bis zu 60 cm dick, regulieren so ganz gut das Raumklima.

Im Sommer hält das für lange Zeit die Hitze draußen, die Mauern erwärmen sich erst so nach und nach und halten die Wärme für einige Zeit im Inneren der Häuser, so dass man erst spät und relativ wenig heizen muß. Oftmals blieben die Steine sichtbar, und wenn die Wände verputzt wurden, dann mit einer Mischung aus Kalk, Gips und Sand. Diese Putze lassen die porösen Steine atmen, d.h., Feuchtigkeit bleibt nicht im Mauerwerk stecken, sondern kann wieder nach außen oder innen entweichen.

Wenn so ein Haus modernisiert wurde, dann mußte auch oft der Wandputz erneuert werden. Das bedeutet, den alten Putz abschlagen, Wand säubern, gegebenenfalls Löcher mit Steinen füllen und dann neu verputzen. Das ist natürlich ein erheblicher Zeitaufwand und man muß es können. Es ist viel einfacher, solche Wände einfach zu verkleiden, mit Fermacell oder Gipskartonplatten, was mit entsprechender Isolierung noch immer ein gutes Raumklima gibt. Aber manchen Menschen ist auch das noch zu aufwendig und deshalb tackern sie einfach Plastikpaneele davor oder putzen alles mit Zement oder einer schnell aufzutragenden Acrylspachtelmasse zu. Da kommt keine Luft mehr durch, irgendwann wird es mufflig, denn die Feuchtigkeit bahnt sich früher oder später ihren Weg.

Vor ein paar Wochen hatte ich solche Wände vor mir: mit weißem, rauhem Acrylputz verspachtelt. Eine Wand war in Dunkelrot gestrichen. Das Zimmer ist, für hiesige Verhältnisse relativ dunkel, da die beiden Fenster zu einem Hof führen und die Sonneneinstrahlung durch eine gegenüberliegende Mauer begrenzt ist. Aber es hat einen wunderschönen, alten Terrakotta Fußboden. Es war das Wohnzimmer des Hauses.

Der neue Besitzer wollte aus diesem Zimmer sein Schlafzimmer machen und von mir eine Empfehlung für eine schöne Wandfarbe haben. Die Wände sollten irgendwie südfranzösisch wirken. Ich war zunächst ein wenig hilflos, denn ich wollte auf gar keinen Fall diesen Putz auch noch mit irgendeiner Farbe überstreichen, aber ich wußte auch nicht so recht, wie ich dem doch recht ungeduldigen Besitzer erklären sollte, wie man das Zimmer wirklich schöner machen könnte. Aber, er kam mir selbst zu Hilfe. Er zeigte mir ein Foto von einer schönen, im traditionellen Stil verputzten Wand. So was wollte er auch haben. Also hab ich ihm erklärt, dass erst der alte Putz weg muß bevor man neuen auftragen kann. Damit war er schließlich einverstanden und so haben wir gemeinsam fast einen ganzen Tag den Putz abgekratzt und ich hab anschließend die Wände neu verputzt. Ich hab ein paar Farbmuster gemacht und wir haben uns auf einen etwas kräftigeren Terrakotta Ton für eine Wand und einen leichten Ton für die übrigen Wände geeinigt.

Am Ende haben wir das Zimmer komplett renoviert, die Balken frei gelegt, die Decke neu verkleidet und weiß gestrichen.

Jetzt sieht das Zimmer nicht mehr wie eine Höhle aus, sondern warm und freundlich. Die Wandfarbe ist sehr südfranzösisch und reflektiert gut das einfallende Licht.

Das Zimmer sieht jetzt schön aus 😉